Geschichte

Gründung

Die Rosalische Gesellschaft setzt ihre Gründung ins Jahr 1799, obwohl keine Urkunde oder irgendeine protokollarische Notiz vorhanden wäre. Laut einem Inventar von 1834 existierten damals noch Statuten und Reglemente vom Herbstmonat 1800, die später verloren gingen. Ein Mitgliederverzeichnis, datiert vom 29. Herbstmonat 1808, weist 36 Namen auf und erwähnt „schon längstens durch die ganze Gesellschaft angenommene Regeln“. Diese Dokumente der Gesellschaft ergeben aber keinen Aufschluss über das Gründungsjahr.Im Staatsarchiv des Kantons Luzern befinden sich zwei Dokumente, welche das Gründungsjahr der Rosalischen Gesellschaft eindeutig festlegen können. In einem Schriftstück mit Datum 10. Herbstmonat (September) 1812 an den luzernischen Kleinen Rat (Vorgänger des Regierungsrates) hat eine „Vereinigung von Freunden“, unterzeichnet von „Ludwig Segesser, Pfister“, festgestellt, dass sie jeden Donnerstag in einer besondern Stube des Schenkhauses, die Rose genannt, zusammenkommen und „haben alljährlich, wenn von unsern eigenen freiwilligen Beisteuern etwas erspart wird, eine oder ein paar freundschaftliche Mahlzeiten“. Wenn auch der Name der Rosalischen Gesellschaft in diesem Schriftstück nicht vorkommt, so unterliegt es doch keinem Zweifel, dass diese „Vereinigung von Freunden“, die sich jeden Donnerstag in der Rose trifft, mit unserer Gesellschaft identisch ist. Der Unterzeichner der Eingabe ist auch auf dem Mitgliederverzeichnis von 1808 aufgeführt.

Da die Rose nur ein Weinschenkhaus und keine Taverne oder Gasthaus war, brauchte es zur Bewirtung mit warmen Mahlzeiten der obrigkeitlichen Erlaubnis. Diese Erlaubnis ist am 3. Oktober 1812 unserer „Partikulargesellschaft“ erteilt worden. Der Kleine Rat hat hierbei in Betracht gezogen, dass die Gesellschaft in ihren Statuten (offenbar jene von 1800) hauptsächlich darauf Bedacht nimmt, arme Mitglieder aus derselben bedürftenden Falles zu unterstützen. Der Beschluss betonte - bezeichnenderweise für die damalige Zeit - dass in dem „freundschaftlichen Zirkel nichts Politisches darf geredet werden“, und durch „die 13 Jahre hindurch eine hohe Polizey noch niemals eine Klage über Gelärm oder Unordnung in den Zusammenkünften habe führen müssen“. Deutlicher sagt der Beschluss in seinem Eingange, dass „diese Vereinigung von Freunden schon volle 13 Jahre bestehet“.

Die Entstehung der Rosalischen Gesellschaft fällt somit ins Jahr 1799.Der Name der Gesellschaft leitet sich von der genannten Weinschenke zur „Rose“ (Weinschenke in der innern Weggisgasse am Graggentor zur Mariahilfgasse) her. Hier wurde sie gegründet und der Name blieb, als später das Gesellschaftshaus wiederholt gewechselt wurde.

 
 

Bild: Aufnahme Gasthaus "Rose", abgebrochen 1911, Original 16,7 x 12,3 cm; Zentralbibliothek  

Zeitumstände der Gründungszeit

Mit dem Umsturz vom 31. Januar 1798 wurde in Luzern die alte Staats- und Gesellschaftsordnung gesprengt: das Patriziat dankte ab und mit den Ideen der Französischen Revolution „Liberté, Fraternité und Egalité“ fanden Gewerbefreiheit und Niederlassungsfreiheit Einzug. Die Zünfte, welche ein starres Reglement zum Schutze der bestehenden Handwerke in der Stadt aufgestellt hatten, wurden aufgehoben. Die Zunfthäuser, in welche früher nur Zunftangehörige Zutritt hatten, wurden in öffentliche Gasthäuser umgewandelt. Handwerker und Gewerbetreibende wurden heimatlos. So ist es zu verstehen, dass sich Handwerker im Jahre 1799 zur Rosalischen Gesellschaft zusammenfanden und sich in der Weinschenke zur Rose jeden Donnerstag erneut trafen.

Die folgenden Jahre waren gekennzeichnet von mehreren Aufständen und Verschwörungen gegen die von Frankreich importierte Helvetische Republik, welche 1802 durch die von Napoleon diktierte Mediationsverfassung ersetzt wurde. Die Auseinandersetzungen zwischen Unitariern und Föderalisten setzten sich jedoch fort. Die Polizei war daher auch in der Mediationszeit erpicht festzustellen, dass in den Pinten und Gasthäusern keine politischen Gespräche geführt werden durften. So ist der Hinweis im Beschluss des Kleinen Rates von 1812 zu verstehen, dass der Gesellschaft bestätigt wurde, dass in ihrem „freundschaftlichen Zirkel nichts Politisches darf geredet werden, und dass die 13 Jahre hindurch die hohe Polizei niemals eine Klage über Gelärm oder Unordnung in den Zusammenkünften habe führen müssen“.

 

Mitglieder der Rosalischen Gesellschaft

Die Mitglieder gehörten von jeher dem kleinen, soliden Bürgerstande an. Die Stadtbevölkerung teilte sich in die

  • Oberschicht, Bürger, die von ihrem Vermögen lebten, Ärzte und Apotheker
  • Handwerker und Gewerbetreibende
  • Berufstätige Gesellen und Dienstmägde
  • Armengenössige

Im Mitgliederverzeichnis von 1808 fehlen bei den meisten Rosaliern die Berufsangaben. Erwähnt sind ein Wachtmeister, ein Zieglermeister, ein Goldschmied, ein Wirt und Müller, ein Kaplan und ein Pastetenbäcker. Später traten ein Pfister, Standesweibel, Wirt, Stadtwerksmeister, Stadtschleifer, wieder ein Wirt zur Rose, Bachmeister, Pfister, Garnsechter, Dachdeckermeister, Schlosser, Schreiner, schliesslich die zwei Buchdrucker Heinrich Räber und Alois Räber-Leu. Das Handwerk und das Gewerbe der guten alten Zeit waren somit vorzugsweise vertreten. Fast ängstlich wahrten die Rosalier diesen kleinbürgerlichen Charakter ihres engen Kreises: So wurde am 6. Juni 1822 in der Gesellschaftssitzung „vorgetragen, dass schon früher zur Sprache gekommen, aber nicht förmlich (d.h. statutarisch) beschlossen worden war, es sei den Statuten einzuverleiben, dass „man in die Gesellschaft niemanden aufnehmen wolle, er habe denn eine Profession oder übe ein Gewerbe aus, und sei ein Mann von unbescholtenem Rufe und mittleren Standes“. Und noch am 9. März 1834 konnte ein Mitglied behaupten: „Die meisten von uns sind Arbeiter“.

Mit der Zeit hat der kleine Handwerkerstand seine hohe Bedeutung von ehedem verloren. Die Geld- und Kreditverhältnisse haben im 19. Jahrhundert einen nicht geahnten Aufschwung genommen. Die Handwerksleute bilden in der Rosalischen Gesellschaft seit langem nicht mehr die Mehrheit, die Vertreter von fast allen sozialen Ständen sind nach und nach in die Gesellschaft eingetreten. Von 42 Rosaliern im Jahre 1850 sind 16 Handwerker, 8 Kaufleute, 3 Beamte und ein Akademiker. Im Jahre 1875 stehen sich 16 Handwerker, 10 Kaufleuten, 10 Beamten, 1 Akademiker und 8 Unselbständigerwerbenden gegenüber. Im Jahre 1900 weist das Mitgliederverzeichnis 14 Handwerker, 21 Kaufleute, 10 Beamte und 4 Akademiker auf. Im Jahre 1925 finden sich in der Gesellschaft 16 Handwerker, 18 Kaufleute, 11 Beamte und 5 Akademiker und im Jahre 1950 11 Handwerker, 26 Kaufleute, 13 Unselbständigerwerbende und 12 Akademiker. Heute gehören der Gesellschaft 3 Handwerker, 19 Kaufleute, 24 Akademiker an, davon 15 Selbständigerwerbende, andere in leitender Funktion. Aus der Tradition des alten Handwerkes und Gewerbestandes hat sich eine Mehrheit von Selbständigerwerbenden erhalten.

 

Der Gesellschaftszweck

Seit der Gründung verwirklichte die Gesellschaft einen doppelten Vereinszweck: den der Geselligkeit und des Sparens. Der Sparsinn hatte zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen ganz andern Sinn als heute. Es gab noch keine Ersparniskassen. Der kleine Mann konnte seine aus Gulden und Schilling sich bildenden Ersparnisse erst dann zinstragend anlegen, wenn sie zu einer grösseren Summe angewachsen waren. Diesen Mangel hat die Spargenossenschaft der Rosalischen Gesellschaft behoben. So legten die Mitglieder wöchentlich oder monatlich ihre Sparbeträge zusammen; war ein grösserer Betrag angesammelt, wurde ein grösseres oder kleineres Guldengültlein gekauft, die Zinsen wurden von der Gesellschaft einkassiert und verrechnet, und am Ende einer Periode (sie war bis 1876 eine sechsjährige, seither eine fünfjährige) nannte der Rosalier eine kleine Gült oder ein währschaftes Obligo oder bares Geld sein eigen. Dergestalt wurde die Gesellschaft die Bank der Mitglieder, indem sie ihnen die eigenen Instrumente abkaufte oder auch „gegen gute Hinterlage“ belehnte. Die Einlagen wurden zuerst wöchentlich, später monatlich an den Monatsversammlungen eingezogen. Im Jahre 1825 betrugen die Einlagen, pro Woche berechnet 1 1/2 Batzen (jährlich Fr. 10.92 neue Währung), von 1828 bis 1834 10 Schilling ( jährlich 13 Gulden = Fr. 24.76), von 1834 bis 1840 15 Schilling, von 1841 bis 1849 20 Schilling, von 1850 bis 1876 Fr. 4.-- und seither bis in die Neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts Fr. 5.-- monatlich, seit einigen Jahren Fr. 10.-- pro Monat. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden Gülten angekauft. Da seitdem für die Anlage von Spargeldern neue Möglichkeiten bei den verschiedenen Bankinstituten aufkamen, wurde trotzdem die alte Tradition der monatlichen Sparbeiträge beibehalten. Alle fünf Jahre werden die Sparbeiträge den Rosaliern in Form von Goldvrenelis oder neuerdings auch in Form von Aktien ausbezahlt.

Im Zusammenhang mit dem Sparen steht auch die Armenunterstützung. Die Armenkasse zirkulierte seit 1824 in allen Versammlungen der Gesellschaft unter den Mitgliedern. Die Armenunterstützung hatte im 19. Jahrhundert -ohne staatliche Sozialhilfe- eine ganz andere Bedeutung als heute. Im Vordergrund stand die Unterstützung von Rosaliern oder deren Familien. Unterstützung erhielten kranke Rosalier, die infolge Krankeit Erwerbsausfall hatten. Die Armenkasse hatte auch einen Beitrag an die Beerdigungskosten eines Mitgliedes und seiner Frau zu leisten und für die Unterstützung von armen Witwen und Waisen verstorbener Mitglieder aufzukommen. Im Jahre 1858 haben die Krankenunterstützungen aufgehört, dagegen ist die einmalige Unterstützung der Familie eines verstorbenen Mitgliedes im Falle der Not bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts geblieben. Seither werden mit den monatlichen Beiträgen in die Armenkasse jedes Jahr eine oder mehrere gemeinnützige Institutionen unterstützt.

Eine Hauptbestimmung der Gesellschaft hat sich in zweihundert Jahren ihres Bestandes nicht verändert, die Pflege der Freundschaft. Die Rosalische Gesellschaft ist ein ausgesprochener Freundschaftsbund. Wie von jeher, so kennt sie auch heute noch keinen „Herren Präsidenten“, sondern einen „Freund Vorsteher“. Alle Rosalier sprechen sich mit „Frönd“ an. Immer wenn ein neuer Freund aufgenommen wird, wird ihm das trauliche „Du“ angetragen. Heute hat zwar die „Duzwelle“ im politischen, geschäftlichen und wirtschaftlichen Bereich, ja selbst in den Ratssälen, Eingang gefunden, aber in der Rosalischen Gesellschaft garantiert das „Du“ das Bekenntnis zur Freundschaft mit allen Rosaliern. Dieser geselligen Freundschaft dient auch die Beschränkung der Mitgliederzahl. Die alten Rosalier haben die Wahrheit, dass viele Köpfe schwer unter einen Hut zu bringen sind, sehr wohl begriffen; sie sind nur mit einigem Widerwillen dazu gelangt, ihren Kreis, der sich anfänglich auf 25 Freunde beschränkte, nach und nach zu erweitern, dass er 1839 36, 1846 45 und seit 1852 im Maximum 50 Freunde umfasste. In den letzten Jahren ist diese Bestimmung etwas angeritzt worden, sodass heute mehr Mitglieder aufgenommen werden können, doch ist die Mitgliederzahl nie über 52 hinaus angewachsen. In der Aufnahme der Mitglieder ging man stets sehr behutsam vor, und es ist wohl nur selten vorgekommen, dass ein Kandidat gegen die entschiedene Einsprache eines Freundes aufgenommen wurde. Statutarisch ist festgelegt, dass die Aufnahme eines neuen Freundes nur mit 2/3 Mehrheit erfolgen kann. Seit den Zeiten der modernen Mobilität hat man auch Bürger von Aussengemeinden aufgenommen.

Es ist hier nicht der Ort, über die verschiedenen freundschaftlichen Anlässe der Rosalischen Gesellschaft zu sprechen, sind doch deren Anlässe und Aktivitäten an anderer Stelle beschrieben. 

Eine grosse Rolle spielt bei der Rosalia, zumal in der ältern Zeit, das Wirtshaus der Gesellschaft oder kurzweg das Gesellschaftshaus. Es ist schon berichtet worden, dass das erste Gesellschaftshaus die Weinschenke zur Rose war. In den Zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts wechselte man in den „Mohren“. Der Mohren war eine Taverne, von 1555 – 1695 an der Pfistergasse und kam in der Folge an die Kapellgasse. Dort ist er erst 1933 als Hotel eingegangen. Das Realwirtschaftsrecht ist auf das Old Swiss House übertragen worden. Nachher wechselte man wieder in die Rose. Die Weinrose war eine Pinte seit 1680 und ging um 1900 ein. Das Realwirtschaftsrecht der Rose wurde 1910 auf das neue Restaurant Klosterhof an der Bruchstrasse transferiert. Als der Wirt der Rose 1834 in den Falken wechselte, wurde der Falken Gesellschaftslokal.Der „Falken“ am Grendel und an der Hertensteinstrasse wurde 1585 erstmals erwähnt, später als Bierbrauerei betrieben. Die Brauerei befand sich an der Ecke Falkengasse/Grendel und die Wirtschaft an der Ecke Falkengasse/Hertensteinstrasse. Vorne zum Falkenplatz hin befand sich ein grosser Wirtschaftsgarten unter lauschigen Kastanienbäumen. Es handelte sich um eine renommierte Wirtschaft, die bis 1898 betrieben wurde. Dann musste sie einer Überbauung mit mehreren Geschäfts- und Wohnhäusern weichen. Zur Erinnerung an den Falken kennt man heute noch den Falkenplatz, die Falkengasse und die Falkenapotheke. Ein Rosalier, Freund Prof. Josef Vetter, hat vor dem Eingang zur Gartenwirtschaft den noch heute dort stehenden Falkenbrunnen geschaffen. 

Weitere Gesellschaftslokale waren das „Weisse Kreuz“ an der Furrengasse und die Wirtschaft „zum Stein“ an der Pfistergasse, neben Engel, St. Moritz, Bären und Ilge. Der Wirt „zum Stein“ wechselte 1836 in das alte Zunfthaus zu Schneidern, das in der Folge Gesellschaftslokal blieb bis zur Zweckentfremdung des Hauses im Jahre 1876. Die Zunft zu Schneidern, 1411 gegründet, hatte ab 1432 ihr Zunfthaus am Brandgässli. Als die Schneiderzunft um 1800 zu einem Verein wurde, führte sie das Zunfthaus als öffentliche Wirtschaft weiter. Bei Auflösung der Zunft im Jahre 1863 verkaufte sie das Haus zu „Schneidern“ an Rosalier, nämlich an die Gebrüder Räber, die 1876 ihre Druckerei von der Werchlaube dorthin verlegten. Das Realwirtschaftsrecht wurde übertragen an das Restaurant Grütli nördlich des Bruchtors, seit 1898 Hotel Rütli. 1852 trat Mathias Stirnimann, Wirt zu den „Drei Schweizern“ in die Gesellschaft ein, sodass man einige Jahre viel dort verkehrte. Diese Wirtschaft befand sich an der Münzgasse und hiess später „Walliser Kanne“. Nach der Zweckentfremdung der „Schneidern“ zog die Gesellschaft ins „Schiff“, wo sie bis 1926 blieb. Das Schiff war ursprünglich ein Zunfthaus „Zu den Schiffleuten“ und seit 1836 bis heute Gasthaus mit Tavernenrecht. Von 1927 – 1967 hatte die Gesellschaft Gastrecht im „Raben“, welcher 1602 als Pinte erstmals erwähnt wurde, später das Tavernenrecht erhielt. Von 1968 bis 1998 war das Hotel Union an der Löwenstrasse Gesellschaftslokal. Nach dem Verkauf des „Union“ hat die Gesellschaft ihre Versammlungen hauptsächlich im Zunfthaus zu Pfistern, im Hotel De la Paix oder im Hotel Kolping abgehalten. An der Generalversammlung vom Januar 2006 wurde die Grand Casino Luzern AG an der Haldenstrasse zum Gesellschaftslokal erkoren. Begründet wird diese Wahl mit dem Verwaltungsratspräsidenten der genannten AG, welcher ebenfalls ein Rosalier ist.

Politik in der Rosalischen Gesellschaft

Wir haben gesehen, dass in den ersten Jahrzehnten der Gesellschaftsgeschichte die Polizei mit Argusaugen darauf achtete, dass keine politischen Gespräche in Versammlungen und Zusammenkünften geführt wurden. Die Unitarier trauerten der Helvetischen Republik als zentralistischem Einheitsstaat nach und die Föderalisten wollten die Souveränität der Kantone bewahren. Jederzeit war die Gefahr von politischen Umsturzversuchen latent. Am Vorabend des Schmutzigen Donnerstages 1814 haben das städtische Patriziat und Bürger der Stadt das Mediationsregiment, das von Notabeln aus der Landschaft beherrscht wurde, gestürzt. Im Gedenken an diesen Umsturz am Vorabend des Schmutzigen Donnerstages entstand am Mittwoch vor dem Schmutzigen Donnerstag 1815 der erste Maskenball in Luzern. Auch die Rosenbälle der Rosalischen Gesellschaft fanden jeweils an diesem Vorabend statt. Nun zur damaligen Politik zurück: Es ist anzunehmen, auch wenn keine Unterlagen aus Protokollen vorliegen, dass die damaligen Rosalier für die Anliegen der Föderalisten eingestanden sind. So kann ja bereits die Gründung im Jahre 1799 als eine Reaktion auf die Auflösung der alten Zunftordnung angesehen werden.

Als mit dem Staatsstreich von 1830 aus den Unitariern und Föderalisten sich die beiden gegensätzlichen Parteien der Liberalen und der Konservativen bildeten, wird die politische Gesinnung der rosalischen Freunde schon konkretisiert. Wir haben zwar aus den Gesellschaftsprotokollen der damaligen Zeit keine Hinweise auf die politische Gesinnung der Mitglieder. Wichtig war die Aufnahme von zwei politisch tätigen Rosaliern: 1827 ist Alois Räber-Leu, Buchdrucker, in die Gesellschaft eingetreten. Er war der Schwager des konservativen Bauernführers Joseph Leu von Ebersol und Verleger und Drucker der politischen konservativen Presseerzeugnisse. 1834 ist der Buchdrucker und Buchhändler Alois Hautt in die Gesellschaft eingetreten. Dieser war in der Sonderbundszeit 1841 – 1845 Stadtrat von Luzern und 1845 – 1847 Regierungsrat. Damit wurde die Rosalische Gesellschaft als konservativ abgestempelt, umsomehr als 1850 die Gesellschaft „Eintracht Luzern“ als Sammelbecken für liberale Bürger Luzerns gegründet wurde. Seither haben viele Rosalier politische Ämter in der konservativen, seit 1970 in der Christlichdemokratischen Partei, angenommen; die Rosalische Gesellschaft kann 4 Regierungsräte, 4 Stadträte, National- und Ständeräte, viele Grossräte und Grossstadträte aus ihren Reihen vorweisen. Drei Rosalier waren Redaktoren am konservativen Zentralorgan „Vaterland“. Immerhin war die Rosalische Gesllschaft stets „liberaler“ als die liberale Gesellschaft „Eintracht“ und hat auch Gesinnungsfreude aus andern Parteien aufgenommen. Heute ist der Gegensatz zwischen konservativ und liberal weitgehend verschwunden, und die Rosalischen Freunde fühlen sich weitgehend einer bürgerlichen Politik verpflichtet.